Deutscher Wetterdienst zum Agrarwetter im Sommer 2014

Stand: 09/10/2014
Gute Erträge trotz wildem Wettermix

Der Sommer begann mit einem warmen,
trockenen und sonnigen Juni. Nach einem heißen, gewittrigen
Pfingstwochenende, verhielten sich die Temperaturen allerdings
moderat. Vielerorts konnte das bestehende Wasserdefizit im Boden
durch Niederschläge nicht ausgeglichen werden. Sehr warm, dabei aber
nass und gewittrig ging es im Juli weiter. Das Wetter unterlag einem
ständigen Wechsel und den Landwirten wurde alles geboten - von guten
Erntebedingungen, über umbrechende Getreidebestände, bis hin zu
hohem pilzlichen Infektionsdruck in den Kulturen. Im August ging es
nass und kühl weiter. Ernteverzögerungen führten teilweise zu
sinkender Getreidequalität; Mais und Zuckerrüben konnten sich
hingegen meist gut entwickeln. Das berichtet der Deutsche
Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen des Wetters auf die
Landwirtschaft in Deutschland im Sommer 2014.

Gewitter im Juni beenden Heuwerbung, trotzdem noch
Bodenwasserdefizite


Während die erste Junidekade vielerorts Möglichkeiten zur Heuwerbung
bot, war es nach dem Pfingstwochenende erst einmal vorbei mit den
heißen, trockenen Tagen. Am 9. Juni wurden im Südwesten vielerorts
Temperaturen von über 35°C erreicht, dann kühlte es - wie im Norden
bereits geschehen - in Folge heftiger Schauer und Gewitter zunehmend
ab. Unwetter führten lokal zum Umbrechen der Wintergetreidebestände
und durch die feuchten Bedingungen erhöhte sich der pilzliche
Infektionsdruck massiv. In den Kartoffelbeständen mussten aufgrund
der hohen Infektionsgefahr für Krautfäule kurze Spritzabstände
eingehalten werden. Beim Wintergetreide kam es verstärkt zu
Gelbrostbefall. Die Niederschläge konnten allerdings nicht das
bestehende Bodenwasserdefizit ausgleichen und die Bodenfeuchten
lagen deutschlandweit bei nur knapp über 30% nutzbarer
Feldkapazität. Zeitweise bestand vor allem in Süddeutschland eine
erhöhte Waldbrandgefahr. Trotz der witterungsbedingt etwas
verlangsamten Entwicklung der landwirtschaftlichen Kulturen, betrug
der Entwicklungsvorsprung der Natur je nach Region noch zwischen ein
und zwei Wochen. Kartoffeln und Zuckerrüben konnten ihre Bestände
schließen und die Wintergerste ging verbreitet in die Gelbreife.

Ständiger Wechsel zwischen Erntewetter und Unwetter im Juli

Im Juli wurde von allem etwas geboten. Insgesamt war es deutlich zu
warm, sehr nass und gewittrig. Der Monat war von ständigen
Wetterwechseln geprägt. Zeitweise gab es warme und trockene Tage am
Stück mit guten Erntebedingungen, ab der Monatsmitte sogar nahezu
flächendeckend. Im Nordosten Deutschlands hielt diese Periode fast
zehn Tage an, was dazu führte, dass der Waldbrandgefahrenindex,
insbesondere in Brandenburg, die höchste Stufe erreichte. Dann gab
es aber auch immer wieder Unwetter, die die Feldarbeiten
unterbrachen. Vielerorts wurde das noch stehende Getreide durch
Starkregen umgebrochen und es kam zu Überschwemmungen auf den
Feldern. Die meisten Niederschläge des Sommers - da und dort mehr
als 50 l/m² - fielen am 8. Juli. Die feuchte Witterung erhöhte den
pilzlichen Infektionsdruck in den Kulturen massiv. Es kam zu
Krautfäule-Infektionen in Kartoffelbeständen und
Blattfleckenerkrankungen in den Zuckerrüben. Glücklicherweise
konnten während der immer wieder auftretenden trockenen Zeitfenster
die notwendigen Pflanzenschutzmaßnahmen meist noch rechtzeitig
durchgeführt werden.

Nasser, herbstlicher August bringt Ernteverzögerungen

Der August zeigte sich in diesem Jahr eher herbstlich und bescherte
dem meteorologischen Sommer 2014 ein nasses, trübes und kühles Ende.
Phänologisch betrachtet konnte man schon von Vollherbst sprechen, da
die Fruchtreife der Stieleiche, die diese Jahreszeit einläutet,
bereits im Monatsverlauf einsetzte. Die Niederschlagsserie des Julis
setzte sich fort und führte vielerorts zu Ernteverzögerungen. Die
Getreidequalität sank und es wurde Auswuchs beobachtet. Lokal
konnten die Winterweizenbestände bis zum Monatsende nicht gedroschen
werden. Dem Mais, der um die Monatsmitte verbreitet in die
Milchreife ging, und den Zuckerrüben, kam die feuchte Witterung
vielerorts zugute; wobei der pilzliche Krankheitsdruck weiter
anstieg und es bei den Zuckerrüben vermehrt zu Blattkrankheiten kam.
Neben den pilzlichen Schaderregern traten vermehrt Ackerschnecken
auf und im Rhein-Main-Gebiet wurde in den Obst- und Weinbaugebieten
ein verstärkter Befall durch die Kirschessigfliege beobachtet. Dort
wo die Witterungsbedingungen es zuließen, konnte mit der
Herbstbestellung begonnen werden. Vereinzelt wurde schon zu
Monatsbeginn mit der Winterrapsaussaat begonnen und die Pflanzen
begannen ab der zweiten Augustdekade aufzulaufen. Unter dem Strich
wurde 2014, trotz aller Schwierigkeiten, eine sehr gute Ernte
eingefahren.





Pressemitteilung des DWD - E-Mail:
pressestelle@dwd.de






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