Agrarwetter im Frühling 2016

Stand: 06/14/2016
Die Pflanzenwelt entwickelte sich zu Beginn des Frühlings 2016 nur langsam
Offenbach, 14. Juni 2016: Der Frühling 2016 startete mit meist wassergesättigten Böden und einer sich nur langsam entwickelnden Pflanzenwelt. Nach typisch wechselhaftem Aprilwetter wurde es noch einmal frostig, was zu Schäden an einigen Kulturen führte. Der Mai bot letztendlich von allem etwas und endete mit starken Regenfällen, die das Infektionsrisiko der Pflanzen mit Pilzkrankheiten erhöhten. Insgesamt verlief die Jahreszeit unauffällig - im Gegensatz zu den Vorjahren war es weder deutlich zu warm noch extrem trocken. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft in Deutschland im Frühling 2016.

März: Nass ins Frühjahr – tiefe Nachttemperaturen bremsen Natur aus
In den ersten Märztagen dominierten Tiefdruckgebiete mit Niederschlägen, die teils als Regen, teils aber auch als Schnee fielen. In der zweiten Märzwoche setzte sich Hochdruckeinfluss durch. Von nun an herrschte meist trocken-sonniges Wetter bei verhaltenen Temperaturen. Zum Monatsende brachten atlantische Tiefdruckgebiete etwas wärmere Luft, aber auch wieder Niederschläge. Der März fiel insgesamt meist mild und oft zu trocken bei unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer aus. Zum Start in den meteorologischen Frühling am 1. März war von Frühlingserwachen keine Spur. Hinge-gen gab es verbreitet leichte bis mäßige Nachtfröste, in Süddeutschland eine dünne Schneedecke. Während der niederschlagsarmen Phase in der Monatsmitte trockneten verbreitet, aber leider nicht überall, die Böden ab. Die Befahrbarkeit war damit nur örtlich gewährleistet. Stellenweise wurden Gülle und Dünger ausgebracht - außerdem startete die Saatbettbereitung. Aufgrund der anhaltenden niedrigen Bodentemperaturen konnten erst in der letzten Monatsdekade erste Sommerungen bestellt werden. Auch die Forsythien-Blüte und damit der Beginn des Erstfrühlings setzten verbreitet erst am Monatsende ein. Während freundlicher Phasen begann der „kurze“ Zuflug der Rapsschädlinge in die Bestände. Allerdings wurden die Schwellenwerte für eine Bekämpfung kaum überschritten. Die 200 Grad Temperatursumme, die den Beginn des Grünlandwachstums charakterisiert, wurde meist in der zweiten Monatshälfte erreicht.

April macht was er will – zum Monatsende Kälte, Frost und Schnee mit Folgen
Da sich Hoch- und Tiefdruckgebiete häufig abwechselten, machte der April seinem Namen alle Ehre: Es gab überall typisches Aprilwetter mit Schnee- und Graupelschauern sowie einzelnen Gewittern. Insgesamt wich der April bei Temperatur, Niederschlag und Sonnenscheindauer kaum vom vieljährigen Durchschnitt ab. Bis zum Beginn der 2. Monatsdekade lagen die Temperaturen oft im angenehmen Bereich. An einzelnen Apriltagen war ein Hauch Frühling zu spüren und die Böden trockneten oberflächig ab. Dabei konnten die Sommerungen weiter gepflanzt werden, auch die Pflanzenentwicklung kam in Fahrt. Ab Monatsmitte blühten vielerorts Süßkirschen und Pflaumen, das Wintergetreide kam verbreitet ins Schossen und allmählich begann die Winterrapsblüte. An den letzten Tagen des Monats blühten vereinzelt die Apfelbäume, womit die phänologische Phase Vollfrühling erreicht wurde. Zwischendurch gab es allerdings immer wieder ergiebige Regenmengen, die zu wassergesättigten, nicht befahrbaren Böden führten und alle landwirtschaftlichen Arbeiten abrupt pausieren ließen. Besonders im Gedächtnis bleiben aber die Kaltluftvorstoße zum
Monatsende hin, die für ein-stellige Höchsttemperaturen und Nachtfröste bzw. Fröste in Bodennähe sorgten. In höheren Lagen fiel nochmals Schnee. Teilweise war es zu kalt, tagsüber wie auch nachts. Dadurch verzögerten sich die Fortführung der Zuckerrübenaussaat, das Legen der Kartoffeln und der Start der Maisbestellung. Bei bereits aufgelaufenen Zuckerrüben und auch Kartoffeln gab es mancherorts Frostschäden. Auch im Wein- und Obstbau kam es lokal zu erheblichen Ausfällen. Herbizidanwendungen waren aufgrund der kalten Temperaturen mit nächtlichem Frost oft schwierig.

Mai-Wetterküche bringt Starkregen, Hagel, Sturmböen – Schäden an Kulturen
Wie bereits in den Vormonaten dominierten im Mai abwechselnd Hoch- und Tiefdruck-gebiete. Dabei profitierte der Nordosten von überwiegend hohem Luftdruck. Im Westen und Süden gab es aufgrund lokal teils kräftiger Gewitter zum Monatsende verbreitet ein Niederschlagsplus. Insgesamt verlief der Mai etwas zu warm, gebietsweise zu trocken bzw. zu nass - bei ausreichend Sonnenschein. Der Monat startete kühl, örtlich teils mit Bodenfrost. Ab Christi Himmelfahrt ging es mit den Temperaturen aufwärts: Der Sommer kam ins Land! Bei nahezu ungestörtem Sonnenschein kletterten die Verdunstungsraten auf 7 bis 8 Liter pro Quadratmeter. Es gab einen Wachstumsschub. Ein erster Grünlandschnitt wurde vielerorts getätigt, der erste Heuschnitt verzögerte sich teilweise bis Ende des Monats. Andererseits starteten in trockenen Gebieten die ersten Beregnungsanlagen. Trockenheitsbedingt kam es auch zu ersten Waldbränden. Verbreitet liefen bis zur Monatsmitte der Mais auf, bis zum Ende der 2. Dekade auch die Kartoffeln. Ab Monatsmitte schob das Wintergetreide seine Ähren. Fast pünktlich sorgten die Eisheiligen am Pfingstwochenende für Regen-, Graupelschauer und Gewitter sowie für einen Temperatursturz bis 10 Grad. In ungünstigen Lagen gab es Bodenfrost, in Hochlagen fiel Schnee. Das wechselhafte Wetter hielt bis zum Monatsende an, mit den Temperaturen ging es aber bergauf. Neben Wassererosion und direkten Schäden an den Kulturen durch Starkregen und/oder Hagel nahm die potentielle Schadwirkung durch Pilzkrankheiten zu. Außerdem wurden in Obstanlagen in Südwestdeutschland zunehmend Fänge der Kirschessigfliege verzeichnet. Der phänologische Frühsommer setzte mit der Holunder- und Robinienblüte überall ein.



Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten drei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.



Pressemitteilung des DWD - E-Mail:
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