Hinweise zur Bedienung des Prognosemoduls Zwetschenreife:

Diese Anwendung ermittelt nach Auswahl von Kultur, Obstsorte und Blühdatum den frühest möglichen Erntebeginn im Einzugsbereich der verfügbaren Wetterstationen.


Dabei bilden sortenspezifische Temperatursummenmodelle die Grundlage, auf der die Berechnung eines Erntebeginns möglich wird. Je nach Sorte werden die zu erreichenden sowie die bislang erreichten Temperatur- bzw. Tagessummen angezeigt. Sind alle Kriterien erfüllt, wird ein Erntebeginn berechnet und angezeigt.


Das Jahr und das geogr. Gebiet sind optional wählbar. Verwenden Sie die entsprechenden Auswahllisten (siehe oben). Die Seite aktualisiert sich automatisch, sobald Sie Änderungen in der Auswahl vornehmen.

Die Genauigkeit der Prognose basiert auf der Genauigkeit der Eingabedaten. Das bedeutet:
1. Achten Sie auf den exakten Blühbeginn. Er ist definiert als der Tag, an dem 50% der Blüten geöffnet sind (50% der Blüten noch im Ballonstadium).
2. Die korrespondierende Wetterstation ist nicht immer die nächste Station. Wählen Sie deshalb für sich eine Station aus Ihrer Region aus, die bezüglich Boden, Höhenlage und Hangexposition zu Ihrer Obstanlage „passt“.

Bei dem vorliegenden Rechenmodell handelt es sich um eine Langzeitprognose. Der prognostizierte Erntetermin ist definiert als der Beginn der 1. Pflücke. Der Obstbauer muss zusätzlich einige Tage vor dem errechneten Erntetermin durch Hinzuziehung weiterer Qualitätsparameter (bei Zwetschen z.B. Brix-Werte, Fruchtfärbung, Fruchtfestigkeit, Geschmack, Steinablösbarkeit) den exakten Erntetermin festlegen.


Für die Ergebnisse wird keine Haftung übernommen.



Beachten Sie bitte:
Das automat. Aktualisieren der Ansicht (bei Benutzung der Auswahllisten) ist nur bei aktivierter Java-Script-Unterstützung Ihres Internetbetrachtungsprogramms (Browser) möglich. Java-Script ist normalerweise per Voreinstellung aktviert. In der Hilfe bzw. Anleitung zu ihrem Internetbetrachtungsprogramm (Browser) können Sie nachlesen, wie man Java-Script aktiviert.



Hintergrundinformationen zur Berechnung der Zwetschenreife mit Temperatursummen

Beate Mahlberg und Martin Balmer, DLR Rheinpfalz, Markus Süß und Herwig Köhler, Technische Zentrale, DLR Rheinhessen-Nahe-Hunsrück

Bei Zwetschen wurden für die drei Sorten ’Katinka’, ’Cacaks Schöne’ und ’Auerbacher’ Modelle entwickelt. Prognostiziert wird der Erntebeginn (Marktreife). Den Prognosemodellen liegen zwei verschiedene Berechnungsweisen zugrunde:

Das erste Modell summiert ab Beginn Vollblüte bis zu einem sortenspezifischen Grenzwert die tägliche Durchschnitttemperatur abzüglich einer Basistemperatur auf. Für die Sorte ’Katinka’ beträgt dieser Grenzwert z. B. 500 Gradtage bei einer Basistemperatur von 5°C. Sobald der Grenzwert erreicht ist, errechnet sich der prognostizierte Erntebeginn durch Addition von 41 Tagen.



Abb. 1: Temperatursummenmodell am Beispiel der Sorte ’Katinka’

Das zweite Modell basiert auf einem von MIMOUN und DeJONG für Prunus salicina entwickeltem Modell, das vom DLR Rheinpfalz für Zwetschen modifiziert wurde. Bei diesem Modell wird die Temperatursumme ab Beginn Vollblüte über einen bestimmten Zeitraum ermittelt. Für die Sorte ’Katinka’ beträgt dieser Zeitraum 40 Tage. Anschließend wird aus der Höhe der erreichten Temperatursumme die verbleibende Anzahl Tage bis zur Ernte berechnet.


Abb. 2: Modifizierte Methode nach MIMOUN und DeJONG

Bei der Sorte ‚Cacaks Schöne‘ zeigt das folgende Modell die geringsten Abweichungen:

Erntetermin = Termin 400 Gradtage (Basistemperatur 5°C) + 61 Tage

Ein Prognosezeitraum von fast neun Wochen erscheint jedoch ein großes Risiko zu beinhalten. Dies bedeutet, dass die Temperatur unabhängig wie hoch oder niedrig sie wäre, über einen Zeitraum von neun Wochen keinen Einfluss mehr auf die Entwicklungsgeschwindigkeit hätte. Um das Risiko einer falschen Prognose zu verringern, werden bei dieser Sorte zwei weitere Modelle in die Prognose einbezogen, deren Prognosezeitraum zwischen 51 und 56 Tagen beträgt und die Basistemperaturen 4°C, 4,5°C .und 5°C verwenden. Die prognostizierten Erntetermine der drei Modelle werden zu einem gemeinsamen Mittelwert zusammengefasst.

Bei der Sorte ‚Auerbacher‘ hat sich folgende Kombination als am genauesten erwiesen:
2 Schwellenwertmodelle und ein Temperatursummenmodell.

Übersicht: Eingesetzte Modelle (unterschiedliche Basistemperaturen je Sorte)
SorteKatinkaCacaks SchöneAuerbacher
Rechenmodell500 Gradtage 575 Gradtage 825 Gradtage
500 Gradtage 700 Gradtage
erreichte Temperatursumme nach 40 Tagen400 Gradtage erreichte Temperatursumme nach 50 Tagen

Die Prognosemodelle wurden über mehrere Jahre in verschiedenen Regionen Deutschlands, aber auch in Österreich überprüft und erwiesen sich als ausreichend zuverlässig.

Literatur:

Mimoun, M. B. und T.M. De Jong, 1999: Using the relation between growing degree hours and harvest date to simulate run-times for peach: a tree growth and yield simulation model. Acta Hort. 499, 107-






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