Deutscher Wetterdienst zum Agrarwetter im Winter 2015/16

Stand: 03/30/2016
Winter startet frühlingshaft und endet mit gut durchfeuchteten Böden
Der vergangene Winter war zunächst frühlingshaft gestartet und die Pflanzenwelt erblühte, statt sich in die wohlverdiente Vegetationsruhe zu verabschieden. Erst Mitte Januar wurde es vorübergehend winterlich und örtlich drang der Frost tief in die Böden ein. Zwischenfruchtbestände froren ab und die Pflanzenentwicklung stoppte, bis es schließlich im Februar erneut mild wurde und reichliche Niederschläge die Böden auffüllten, so dass sie meist unbefahrbar wurden. Insgesamt fiel die Jahreszeit vergleichsweise sonnenscheinreich, sehr warm und ein wenig feuchter aus. Das berichtet der Deutsche Wetterdienst (DWD) über die Auswirkungen des Wetters auf die Landwirtschaft in Deutschland im Winter 2015/16.

Pflanzenwelt erblüht im wärmsten Dezember seit 1981
Nach dem wärmsten November in Deutschland seit 1981, hat auch der Dezember seinen bisherigen absoluten Temperaturrekord gebrochen. Nicht nur deutschlandweit, sondern auch in allen Bundesländern war der Dezember der wärmste seit Beginn regelmäßiger Wetteraufzeichnungen. Tiefdruckgebiete schaufelten jede Menge warme Luft heran. Zwar fiel gelegentlich etwas Regen, insgesamt war der Monat aber viel zu trocken, extrem warm und mit Ausnahme der nebelgeplagten Flusstäler auch sehr sonnig: Von Winter also keine Spur! Die milde Witterung, die bereits in den letzten Novembertagen ihren Anfang gefunden hatte, hielt bis zum Jahresende durch. Vor allem das Weihnachtsfest mutete frühlingshaft an. Frostige Nächte waren eine Rarität – halbwegs kalte Tage gab es nur um den 10. herum und nochmals vor Silvester. Dies reichte allerdings nicht aus, um die Winterkulturen abzuhärten. Auch die wischen-fruchtbestände froren nicht ab. Entsprechend warm blieben die Böden, die Vegetation kam nicht zur Ruhe. Die Pflanzen entwickelten sich bei Tagesmitteltemperaturen von 5 °C und mehr weiter fort. In der ersten Dezemberhälfte wurden schon vermehrt stäubende Haselkätzchen gesichtet, während andernorts noch nicht einmal alle Stieleichen oder spät reifende Apfelbäume ihre Blätter verloren hatten – was
normalerweise das Ende der Vegetationszeit anzeigt. Eine Haselblüte im Dezember ist nicht ungewöhnlich und auch die Schwankungsbreite dieser phänologischen Phase ist insgesamt sehr groß. Dennoch war hier tendenziell bereits eine Verfrühung zu erkennen und der sog. Vorfrühling startete somit schon Anfang Dezember 2015. Daneben begannen im Monatsverlauf auch schon die ersten Erlen zu blühen.

Im Januar endlich Winter – Pflanzenentwicklung ausgebremst
Zum Jahresbeginn stellte sich die Wetterlage um: Mit Hoch „Christine“ gelangte in den Nordosten Deutschlands trockene russisch-skandinavische Kaltluft. Der Südwesten verblieb dagegen in milder, feuchter Meeresluft. Mitte Januar herrschte dann in ganz Deutschland winterliches Wetter mit verbreitetem Dauerfrost und einer nahezu geschlossenen Schneedecke. Im letzten Drittel setzte sich wieder eine südwestliche Strömung durch, die ungewöhnlich milde Luft heranführte und die Schneedecke verschwinden ließ. Insgesamt ergab sich dadurch erneut ein recht milder Monat, mit reichlich Niederschlägen und leicht überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Der Wintereinbruch in der Monatsmitte bremste die Vegetationsentwicklung aus – es herrschte Winterruhe. Der Frost drang bei schneefreien, unbewachsenen Flächen teilweise über 30 cm tief in den Boden ein. Dagegen blieb es unter Schnee fast durchweg frostfrei. Während diese winterliche Periode die Zwischenfruchtbestände abfrieren ließ, blieb abzuwarten inwieweit die zeitweiligen Kahlfröste eventuell für Schäden an den Winterungen gesorgt hatten, da diese wahrscheinlich nicht überall ausreichend abgehärtet waren. Am Monatsende kam dann die Vegetation aufgrund der einsetzenden Milderung wieder in Gang. Das Stäuben der Haseln und Erlen hat nach einer längeren Unterbrechung ein- bzw. sich fortgesetzt: Vereinzelt zeigten sich die ersten Schneeglöckchen. Bereits Ende Januar waren die Böden fast deutschlandweit wassergesättigt, zum Teil auch übersättigt. Lediglich einige Gebiete in Thüringen, Sachsen-Anhalt und im Osten Brandenburgs waren noch nicht mit Wasser aufgefüllt.

Viel Regen im Februar füllt Bodenwasservorräte auf – Felder unbefahrbar
Im Februar herrschte nur an wenigen Tagen Hochdruckeinfluss mit trockenem und sonnigem Wetter. Stattdessen nahmen immer wieder atlantische Tiefdruckgebiete mit ihren Ausläufern Kurs auf Deutschland. Mit teilweise kräftigen Südwest- bis Westwinden führten diese meist milde und feuchte Luft mit Regen, aber wenig Schnee heran. Insgesamt lagen die Temperaturen und Niederschläge weit über dem vieljährigen Durchschnitt, während die Sonnenscheindauer etwas unter dem Soll blieb. Nachtfröste waren in der ersten Monatshälfte eine Seltenheit, erst danach gab es kurze kältere Phasen mit leichtem bis teils mäßigem Frost im Tiefland und Dauerfrost im Bergland. Aufgrund der wiederholten Niederschläge führten einige Flüsse zeitweise Hochwasser. Die Böden blieben wassergesättigt bis übersättigt und waren daher verbreitet unbefahrbar. In der Monatsmitte und zum Monatsende trockneten die Böden nur oberflächlich ein wenig ab, so dass örtlich die erste Düngeabgabe bei gegebener Befahrbarkeit möglich war. Meist musste jedoch abgewartet werden. Das ständige Auf und Ab bei den Temperaturen sorgte für eine schubweise Entwicklung in der Pflanzenwelt. Verbreitet gingen weitere Meldungen zur blühenden Hasel und Erle sowie zum Schneeglöckchen ein. Durch den deutlich zu warmen Winter zeigte bereits Mitte/Ende Februar der erste Huflattich seine gelben Blütenblätter.



Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten drei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.



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