Deutschlandwetter im Juni 2016

Stand: 06/29/2016
Statt Sommer viele Unwetter mit Blitz, Donner und Starkregen
Im Juni bestimmten überwiegend feuchte und nur mäßig warme Luftmassen das Wettergeschehen in Deutschland. Geringe Luftdruckunterschiede führten zu wenig Abwechslung, häufig jedoch zu heftigen Gewittern, in vielen Gebieten begleitet von sehr hohen, teilweise auch katastrophalen Niederschlagsmengen, tlw. mit Hagel und sogar Tornados. Nur vorübergehend gelangte heiße Luft aus Nordwestafrika zu uns und hinterließ einen ersten hochsommerlichen Eindruck. Dies ergab insgesamt einen recht warmen Juni, mit deutlich zu viel Niederschlag und leicht unterdurchschnittlicher Sonnenscheindauer. Das meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) nach ersten Auswertungen der Ergebnisse seiner rund 2000 Messstationen.

Überwiegend warm, im letzten Monatsdrittel vorübergehend hochsommerlich
Der erste Sommermonat des Jahres lag in Deutschland mit einer bundesweiten Durchschnittstemperatur von 17,0 Grad Celsius (°C) um 1,6 Grad über dem Soll der international gültigen Referenzperiode 1961 bis 1990. Gegenüber der Vergleichsperiode 1981 bis 2010 betrug die Abweichung +1,2 Grad. Nächtliche Tiefstwerte knapp über dem Gefrierpunkt und örtlich sogar Bodenfrost läuteten zum Ende der ersten Dekade den Beginn der „Schafskälte“ ein. Am 7. meldete die Station Barth, westlich von Stralsund, lediglich 2,5 °C. Kurzzeitig führte eine Südströmung im letzten Monatsdrittel bundesweit zu hochsommerlichen Werten: Am 24. waren es in Berlin-Kaniswall heiße 36,4 °C.

Viele schwere Gewitter - verbreitet mit enormen Niederschlagsmengen
Mit rund 115 Litern pro Quadratmeter (l/m²) erreichte der Juni 134 Prozent des vieljährigen Mittels (85 l/m²) und war damit deutlich zu nass. Langsam ziehende Gewitter, oft mit Starkregen und Hagel, tlw. bis 6 cm Korngröße, brachten innerhalb kurzer Zeit enorme Niederschlagsmengen und verursachten schwere Schäden. Besonders heftig getroffen wurde die Region um die niederbayerische Kleinstadt Simbach/Inn, mehrere Menschen starben in den Fluten. Im Westen und Süden Deutschlands fiel örtlich in wenigen Tagen das Doppelte des Monatssolls: Das Wasser stand tagelang auf den Feldern. In den von Unwettern betroffenen Gebieten waren das bis Ende Juni oft mehr als 250 l/m². In Offenbach, dem Sitz des Deutschen Wetterdienstes, fiel seit Anfang des Jahres mehr Niederschlag als in allen 12 Monaten des Jahres 2015 zusammen. Die bundesweit höchste Tagesmenge meldete am 23. Groß Berßen, im Emsland, mit 150,7 l/m². Aber es gab auch zu trockene Gebiete - in Teilen Vorpommerns, der Altmark und im Osten Hessens fielen nur etwa 50 Prozent des Solls.

Sonnenscheinbilanz im Nordosten leicht positiv, im Süden deutlich negativ
Bundesweit blieb die Sonnenscheindauer im Juni 2016 mit 181 Stunden um neun Prozent unter ihrem Soll von 198 Stunden. Gebietsweise gab es jedoch deutliche Unterschiede. Am längsten zeigte sich die Sonne im Nordosten Deutschlands, auf der Insel Rügen, mit bis zu 300 Stunden.
Deutlich weniger Sonne schien im Süden und Westen, beispielsweise in der nördlichen Eifel waren es örtlich nur etwa 105 Stunden.


Das Wetter in den Bundesländern im Juni 2016
(In Klammern stehen jeweils die vieljährigen Mittelwerte der intern. Referenzperiode)

Schleswig-Holstein und Hamburg: Im Juni registrierten die DWD-Experten für Schleswig-Holstein 17,0 °C (15,0 °C), über 105 l/m² (69 l/m²) und nahezu 205 Sonnen-stunden (225 Stunden). Für Hamburg waren es 17,6 °C (15,7 °C), rund 135 l/m² (70 l/m²) und fast 195 Stunden (216 Stunden) Sonnenschein. Am 7. bildete sich im Nordosten von Hamburg unter einer kräftigen Gewitterzelle ein Tornado - es kam zu Schäden in Millionenhöhe.

Niedersachsen und Bremen: Im Juni kam Niedersachsen auf 17,2 °C (15,4 °C), etwa 110 l/m² (76 l/m²) und gut 185 Sonnenstunden (200 Stunden). In Bremen waren es 17,3 °C (15,5 °C), annähernd 140 l/m² (73 l/m²) und knapp 180 Sonnenstunden (204 Stunden). In der Region Einbeck-Grenne, nördlich von Göttingen, wurde am 2. bei kräftigen Gewittern eine 24-stündige Niederschlagsmenge von 89,1 l/m² gemessen - es kam zu großflächigen Überflutungen. In Groß Berßen, nordöstlich von Meppen, registrierte man am 23. durch langsam ziehende Gewitterzellen die bundesweit höchste Tagessumme des Monats von 150,7
l/m². Auch hier kam es zu Überschwemmungen.

Mecklenburg-Vorpommern: Hier betrug die Temperatur 17,7 °C (15,4 °C). Mecklenburg-Vorpommern zeigte sich im Juni mit knapp 65 l/m² (63 l/m²) als eine relativ trockene und mit über 245 Stunden (236 Stunden) als eine sonnenscheinreiche Region.

Brandenburg und Berlin: Berlin war im Juni mit 19,3 °C (17,1 °C) das wärmste Bundesland, gefolgt von Brandenburg mit 18,6 °C (16,5 °C). Dort fielen über 80 l/m², in Berlin rund 85 l/m² (70 l/m²). Die Sonne zeigte sich sowohl in Berlin als auch in Brandenburg jeweils gut 250 Stunden lang (225 Stunden), damit waren es diesmal die sonnenscheinreichsten Regionen. Die bundesweit höchste Temperatur meldete am 24. Berlin-Kaniswall, am südöstlichen Stadtrand gelegen, mit hochsommerlichen 36,4 °C.

Sachsen-Anhalt: Bei durchschnittlich 18,3 °C (16,1 °C) meldete Sachsen-Anhalt im Juni 2016 eine Sonnenscheindauer von fast 245 Stunden (205 Stunden). Mit etwa 70 l/m² (63 l/m²) zählte es eher zu den niederschlagsarmen Bundesländern.

Sachsen: In Sachsen ermittelten die DWD-Experten 17,7 °C (15,6 °C), über 95 l/m² (76 l/m²) und gut 220 Sonnenstunden (201 Stunden).

Thüringen: Im Juni verbuchten die DWD-Meteorologen eine mittlere Temperatur von 17,1 °C (14,9 °C). Die Niederschlagsmenge summierte sich auf knapp 80 l/m² (78 l/m²) und die Sonnenscheindauer auf nahezu 195 Stunden (194 Stunden). Erhebliche Schäden verursachte am 15. eine
Windhose bei Ellrich, am Südrand des Harzes. Personen kamen nicht zu Schaden, doch entstand eine Schneise der Verwüstung, denn an etwa 50 Häusern wurden die Dächer größtenteils abgedeckt.

Nordrhein-Westfalen: Nordrhein-Westfalen präsentierte sich im Juni mit gut 150 l/m² (84 l/m²) als ein niederschlagsreiches Bundesland. Die mittlere Temperatur lag bei 16,7 °C (15,4 °C) und die Sonne schien knapp 155 Stunden (184 Stunden). Nach wiederholt schweren Gewittern, u. a. mit einer Tagesmenge von 120,3 l/m², kam es am 1. Juni in Hamminkeln-Mühlenrott, am nördlichen Niederrhein, wegen der Gefahr eines Dammbruchs zum Katastrophenfall. Bei Xanten blieb ein Zug in Schlammmassen stecken. Die Region meldete mit mehr als 300 l/m² die bundesweit höchste Monatssumme. Im Westen Nordrhein-Westfalens fielen am 23. Hagelkörner mit bis zu 6 cm Durchmesser.

Hessen: In Hessen betrug die Durchschnittstemperatur 16,6 °C (15,2 °C). Es fielen nahezu 110 l/m² (80 l/m²), die Sonne schien gut 160 Stunden (192 Stunden). Ein Tornado fegte am 5. über Ostheim, bei Butzbach im Wetteraukreis: Das komplette Blechdach einer Lagerhalle wurde 200 Meter weit verfrachtet.

Rheinland-Pfalz: Im Juni verzeichnete man 16,4 °C (15,3 °C) und beinahe 145 l/m² (76 l/m²). Rheinland-Pfalz war mit knapp 145 Stunden (192 Stunden) eine der sonnenscheinärmsten Regionen Deutschlands. Am 3. wurden Besucher des Musikfestivals „Rock am Ring“ in Mendig (Osteifel) durch Blitzschläge verletzt. Am 25. entgleiste nach einem Geröllsturz ein linksrheinisch fahrender Regionalzug nahe Bacharach.

Saarland: Laut DWD war das Saarland im Juni mit 16,2 °C (15,6 °C) das kühlste und mit fast 130 Stunden (204 Stunden) gleichzeitig das sonnenscheinärmste Bundesland. Die Summe entspricht 63 Prozent des
Solls. Es fielen rund 150 l/m² (80 l/m²) Regen.

Baden-Württemberg: Baden-Württemberg gehörte mit 16,4 °C (15,1 °C) zu den kühlsten und mit knapp 150 l/m² (107 l/m²) zu den nassesten Bundesländern. Die Sonne schien 165 Stunden (202 Stunden). Durch einen Tornado in Bad Waldsee, nordöstlich von Ravensburg, wurden am 13. etwa 50 Häuser abgedeckt. Während eines Schwergewitters in der Region um Ochsenhausen, bei Memmingen, fielen am 25. innerhalb kürzester Zeit 91,3 l/m² an Niederschlägen und führten zu Überschwemmungen.

Bayern: Bayern war mit 16,3 °C (14,9 °C) das zweitkühlste Bundesland. Die Niederschlagsmenge betrug etwa 130 l/m² (112 l/m²), die Sonne schien knapp 175 Stunden (200 Stunden). Gewittriger Dauerregen sorgte am 1. und 2. im Landkreis Rottal-Inn für extreme Überschwemmungen,
innerhalb 48 Stunden fielen örtlich über 180 l/m². Schwer getroffen wurden die Orte Simbach, Tann und Trifftern. Der Pegel des „Simbach“ erreichte unglaubliche 506 cm, normal sind 50 cm. Ganze Orte waren durch die Wassermassen von der Außenwelt abgeschnitten, die Schäden
schraubten sich in die zweistelligen Millionenhöhe, mehrere Menschen kamen in den Fluten um.




Alle in dieser Pressemitteilung genannten Monatswerte sind vorläufige Werte. Die für die letzten drei Tage des Monats verwendeten Daten basieren auf Prognosen. Bis Redaktionsschluss standen nicht alle Messungen des Stationsnetzes des DWD zur Verfügung.



Pressemitteilung des DWD - E-Mail:
pressestelle@dwd.de






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