Staatsweingut mit Johannitergut

Geschichte:


Das Staatsweingut Johannitergut liegt in der Ortsmitte von Mußbach, im ehemaligen Herrenhof des Johanniterordens. Als ältestes Weingut der Pfalz reichen die Ursprünge des Johannitergutes bis ins 8. Jahrhundert zurück. In dieser Zeit wurde dem Kloster Weißenburg umfangreicher Besitz in Mußbach geschenkt. Nach zwei Jahrhunderten als salisches und staufisches Lehensgut gelangte der Hof nach 1290 in den Besitz des Johanniterordens. 1970 wurde er vom Land Rheinland-Pfalz erworben und mit dem Staatsweingut der damaligen Staatlichen Lehr- und Forschungsanstalt für Landwirtschaft, Weinbau und Gartenbau vereinigt. Das Weingut baut seine Weine in den modernen Gebäuden des DLR Rheinpfalz vor den Toren von Mußbach aus.

Tradition und Fortschritt geben sich im Staatsweingut mit Johannitergut die Hände. Im Lehr- und Versuchsbetrieb des Staatsweingutes reichen die Versuche bis ins 16. Jahrhundert zurück, in die Zeit des Kurfürsten Johann Casimir, der für seine Lieblingssorte „Gänsfüßer“ schon 1584 eine eigene Verordnung zur Pflanzung erließ. Fast verschwunden wurde die Sorte im Johannitergut vor dem Aussterben bewahrt.

Das Staatsweingut:


Der 23 ha große Betrieb besitzt Weinberge in Mußbach (Eselshaut, Kurfürst, Bischofsweg, Glockenzehnt), Haardt (Herrenletten), Gimmeldingen (Meerspinne, Kapellenberg), Königsbach (Idig, Ölberg), Ruppertsberg (Nußbien, Reiterpfad) und Deidesheim (Paradiesgarten, Herrgottsacker). Die Lage „Mußbacher Johannitergarten“, die kleinste Einzellage der Pfalz mit 1,44 ha im Herrenhof ist im Alleinbesitz des Johannitergutes, die bereits im 8. Jahrhundert für den Weinbau genutzt wurde. Auf der nur 13,93 ha großen Einzellage „Haardter Herrenletten“, werden die 3,25 ha, die im Besitz des Staatsweingutes sind, seit 2005 nach ökologischen Richtlinien bewirtschaftet, bisher jedoch noch ohne einen offiziellen Umstellungsantrag gestellt zu haben. Spezialität des Betriebes sind vom Terroir geprägte trockene Rieslinge aus verschiedenen Lagen der Mittelhaardt, sortentypische trockene Weine von Weiß- und Grauburgunder, Silvaner sowie Sauvignon Blanc und restsüße Variationen des gelben Muskatellers, Rieslings, Rieslaners und Goldmuskatellers. Gehaltvolle Rotweine der Rebsorten Spätburgunder, Dornfelder, Cabernet Sauvignon und Regent runden das Portfolio ab, mit der Spezialität des Gänsfüßers, der zwar eine museale Sorte darstellt, aber modern im Barriquefass vinifiziert wird.
Jeder ha des Lehr- und Versuchsbetrieb wird aktiv für Versuchs- und Forschungszwecke genutzt. Während früher Extensivierung und Düngung im Vordergrund stand, fragt der Berufsstand heute Versuchsergebnisse zu qualitätsfördernden Maßnahmen im Weinberg nach, verbunden mit einem nachhaltigen Pflanzenschutz, der immer stärker Nützlinge und biotechnologische Verfahren einsetzt. Dies findet seine Fortsetzung im Keller, in der ebenso mit einer kontrollierten Spontangärung als auch besonders leitungsfähigen Kulturen von Hefen und Milchsäurebakterien gearbeitet wird. Neben technologischen Innovationen, etwa im Bereich der Gärsteuerung oder Mikrooxygenierung, gilt der stilistischen Weiterentwicklung der Weine ein Hauptaugenmerk, etwa für die Rebsorte Sauvignon blanc, Syrah, Cabernet Franc, Tempranillo. Diese Versuchs- und Forschungstätigkeit findet sein Pendant in der wissenschaftlichen und analytischen Begleitung in den Abteilungen Weinbau & Oenologie und Phytomedizin, wo zahlreiche Doktoranden, und Bachelor unter Anleitung erfahrener Wissenschaftler neue Erkenntnisse sammeln.

Forschung und Weiterbildung:


Ein besonderer Augenmerk gilt der Einheit von Lehre, Forschung und Beratung, die gewährleistet, dass die Forschungsergebnisse sehr rasch Eingang in den Unterricht und das duale Studium finden, aber auch in den zahlreichen Beratungen und Weiterbildungsveranstaltungen vermittelt werden. Gleichzeitig ist das Staatsweingut Johannitergut ein aktiver Ausbildungsbetrieb für jährlich acht bis zehn Auszubildende, die u.a. im dualen Studiengang B.Sc. Weinbau und Oenologie eingeschrieben sind. Ferner wird das Staatsweingut von Schulklassen und für Studienangebote aktiv genutzt, um theoretisches Wissen durch praktische Umsetzung vor Ort zu vernetzen. Trotz all dieser Aufgaben in Ausbildung und Forschung gelang es in den letzten drei Jahren wieder, zweimal den Staatsehrenpreis des Landes Rheinland-Pfalz zu erringen.





sascha.wolz@dlr.rlp.de      drucken nach oben