Weizenmehltau

(Quelle: DWD)

"Hintergrund und Bedeutung

"Echter Mehltau" an Weizen (blumeria graminis, synonym: Erysiphe graminis f.sp. tritici) ist ein witterungsabhängiger und ertragswirksamer Schaderreger. Dessen wirtschaftliche Bedeutung ergibt sich bereits daraus, dass der Weizenanbau in Deutschland ca. 15 % der landwirtschaftlichen Fläche einnimmt und damit den höchsten Flächenanteil aller Getreidearten besitzt.

Da die obersten Weizenblätter stehts krankheitsfrei zu halten sind, werden - oftmals auch ohne das aktuelle Infektionsniveau zu kennen - im Frühjahr/ Frühsommer prophylaktische und damit teils unnötige Fungizidanwendungen durchgeführt. Ökonomisch und ökologisch wesentlich sinnvoller wäre es, die Entscheidung über chemische Mitteleinsätze am witterungsabhängigen Infektionsverlauf des Pilzes auszurichten. Als Entscheidungshilfe werden Ergebnisse eines Simulationsmodells zur Prognose der Infektionswahrscheinlichkeit angeboten, die den Anwender auf das potenzielle Gefährdungsniveau durch Weizenmehltau hinweisen.

Modellbeschreibung

Berechnet wird die Infektkette "Konidienbildung", "Sporenfreisetzung", "Infektion" und "Inkubationszeit", d.h. der Termin der ersten sichtbaren Krankheitssymptome.

Für die Sporenfreisetzung sind einsetzender Niederschlag und höhere Windgeschwindigkeiten Voraussetzung. Nach der Konidienlandung wirken sich vor allem Niederschläge, hohe Windgeschwindigkeiten, sowohl sehr niedrige als auch sehr hohe Sättigungsdefizite der Luft sowie niedrige Bodenfeuchten negativ auf die berechnete Infektionswahrscheinlichkeit aus. Unter optimalen Bedingungen gelingt eine Infektion nach ca. 12 Stunden. Durch Vertrocknen, Abwaschen, Abwehen oder Zerbersten (bei 100 % relativer Luftfeuchte oder Nässe) der Konidien wird der Infektionserfolg allerdings verhindert.

Da Informationen über die aktuell befallene Blattfläche fehlen, wird beim Modellstart von 10 % befallener Blattfläche ausgegangen (maximaler Krankheitsdruck). Die berechneten Gefährdungsklassen (Infektionsanzahl pro Quadatzentimeter Blattfläche und Tag) sind folgendermaßen definiert:

Infektionen
    Gefährdungsklasse
< 5
5 - 10
10 - 20
20 - 40
> 40
    keine Infektionsgefahr
    sehr geringe Infektionsgefahr
    Infektionsgefahr
    hohe Infektionsgefahr
    extrem hohe Infektionszeit

Der empfohlene Anwendungszeitraum des Modells liegt zwischen März und dem Termin des Ährenschiebens.

Eingabedaten

Stündliche Auflösung:
          • Lufttemperatur im unteren Bestandsniveau (aus Modell BEKLIMA)
          • relative Luftfeuchte im unteren Bestandsniveau (aus Modell BEKLIMA)
          • Niederschlag
          • Windgeschwindigkeit

Tägliche Auflösung:
          • nutzbare Feldkapazität des Bodens

Ausgabedaten (tägliche Auflösung):
          • Konidienbildung pro Quadratzentimeter befallene Blattfläche
          • freigesetzte Konidien pro Kubikmeter Luft
          • Anzahl der Infektionen pro Quadratzentimeter Blattoberfläche
          • Anzahl der Infektionen pro Quadratzentimeter Blattoberfläche unter Berücksichtigung der nFk (Wasserstress)
          • Jahrestag des Auftretens sichtbarer Symptome vor Neuinfektionen"


(Bildquelle: Pilzkrankheiten im Getreidebau, BASF bzw.
http://www.infofarm.de/dsd/virtual_expo/pavillon_160/
sources_pavillon_160/images/grafik/mehltau3.jpg)





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