Warum verschwinden Sorten?

Historische Sorten können oft nicht den heutigen Ansprüchen der Anbauer, der Verarbeiter, des Handels und auch der Verbraucher genügen. Gleichmäßiges Wachstum und Abreife, maschinelle Beerntbarkeit, hoher und regelmäßiger Ertrag, lange Lagerfähigkeit etc. sind Forderungen, die historische Sorten nicht in dem Maße erfüllen können, wie wir es von den „modernen“ Züchtungen gewohnt sind. Auch den Ansprüchen des Verbrauchers an das Aussehen und den Vorgaben der Handelsklassen (z.B. Fruchtgröße) können viele historische Sorten häufig nicht gerecht werden.

Zudem wird der Handel mit Saat- und Pflanzgut historischer Sorten über die Umsetzung der Europäischen Richtlinien zum Inverkehrbringen von Saatgut und das geltende Saatgutrecht beschränkt.
So sind historische Sorten für den Verbraucher vielfach gar nicht mehr erhältlich und die Öffentlichkeit kann durch ihr Kaufverhalten kaum Einfluss auf das angebotene Sortiment nehmen.

Als Folge sind z. B. bereits etwa 40 % der historisch belegten Obstsorten der Pfalz ausgestorben oder verschollen, wie die Apfelsorten 'Edelrenette', 'Englischer Königsapfel' und 'Goldgelbe Sommerrenette' sowie die Birnensorten 'Graue Herbstbutterbirne' und 'Punktierter Sommerdorn' – alles Sorten, die in Sortenlisten des 19. Jahrhunderts mehrfach und über einen längeren Zeitraum hinweg Erwähnung fanden (Hühnerfauth 1997).
zurück





     drucken nach oben