Stand: 02/27/2019
Eine Düngung nach guter fachlicher Praxis versorgt Kulturpflanzen mit den notwendigen Nährstoffen, erhält und fördert die Bodenfruchtbarkeit. Die Düngeverordnung präzisiert die Anforderungen und regelt, wie die mit der Düngung verbundenen gasförmigen Ammoniak-Emissionen sowie Nitrat-Auswaschung ins Grundwasser und der meist durch Bodenerosion bedingte Phosphat-Eintrag in Oberflächengewässer verringert werden können. Deshalb wurden Düngegesetz (DüngG) und ngeverordnung (DüV) grundlegend überarbeitet (= novelliert) und traten am 16.05.17 (DüngG) bzw. am 02.06.17 (DüV) neu in Kraft. Auf diese Weise erfolgte eine Anpassung des deutschen Düngerechts an internationale Umweltziele zum Gewässer-, Klima- und Biodiversitätsschutz.

Die Düngeverordnung regelt die gute fachliche Praxis bei der Anwendung von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln auf landwirtschaftlich genutzten Flächen und soll die mit der Anwendung dieser Stoffe verbundenen Umweltrisiken vermindern. Die damit verbundenen Anforderungen im Weinbau wie die Düngebedarfsermittlung und die Erstellung des Nährstoffvergleichs sind grundsätzlich nicht neu, lediglich die Rahmenbedingungen haben sich verändert.


1. Stickstoff-Düngebedarf ermitteln & dokumentieren

Vor dem Aufbringen von mehr als 50 kg Stickstoff (N) pro Hektar und Jahr müssen Betriebe ab 2 Hektar Betriebsgröße gemäß § 3 (2) DüV den Stickstoff-Düngebedarf für jeden Schlag bzw. jede Bewirtschaftungseinheit ermitteln und neuerdings dokumentieren. Gemäß § 10 (3) DüV muss der Betriebsinhaber die Aufzeichnungen zur Stickstoff-Düngebedarfsermittlung sieben Jahre nach Ablauf des Düngejahres aufbewahren und der nach Landesrecht zuständigen Stelle auf Verlangen vorlegen.

Für die N-Düngebedarfsermittlung hat der FDW-Arbeitskreis „Bodenkunde & Rebenernährung“ das nun folgende BUNDESEINHEITLICH gültige Schätzverfahren für Ertragsanlagen erweitert. In die N-Düngebedarfsermittlung gehen Humusgehalt, die Art des Bodenpflegesystems sowie Ertrag und Rebenwachstum ein.

Im folgenden Merkblatt finden Sie alle Informationen zur Durchführung der Stickstoff-Düngebedarfsermittlung. Zudem ist auf der letzten Seite im Merkblatt ein Formblatt zum händischen Ausfüllen der N-Düngebedarfsermittlung enthalten:


Mit der folgenden Excel-Anwendung können Sie die N-Düngebedarfsermittlung auch am PC durchführen:

N-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_15.04.19.xlsmN-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_15.04.19.xlsm

(Für Excel-Version 2013, Tabelle enthält Makros. Bitte ggf. Makrofunktion aktivieren)

N-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_15.04.19.xlsN-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_15.04.19.xls

(Für Excel-Version 2003, Tabelle enthält Makros. Bitte ggf. Makrofunktion aktivieren)

N-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-18.pdfN-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-18.pdf



2. Phosphat-Düngebedarf für Schläge ab 1 ha ermitteln & dokumentieren

Für Schläge größer 1 Hektar ist weiterhin mindestens alle 6 Jahre der Phosphat-Gehalt in der Krume (0 bis 30 cm) zu ermitteln, sofern mehr als 30 kg Phosphat (P2O5) je Hektar und Jahr ausgebracht werden (§ 4 (4) DüV). Ein Schlag ist laut DüV „eine einheitlich bewirtschaftete und räumlich zusammenhängende und mit der gleichen Pflanzenart bewachsene oder zur Bestellung vorgesehene Fläche“.

Neu hingegen ist die Regelung, dass auf mit Phosphat überversorgten Böden nur noch der Entzug nachgeführt werden darf mit (§ 3 (6) DüV). Zeigt die Bodenanalyse für Schläge größer 1 Hektar einen Phosphat-Gehalt von mehr als 20 mg P2O5/100g Boden nach CAL-Methode oder mehr als 3,6 mg P/100g Boden nach EUF-Methode an, darf die P-Nachdüngung nur noch in Höhe der Phosphat-Abfuhr der jeweiligen Kultur erfolgen. Dies betrifft im Weinbau 90 % der Oberböden von Rebanlagen. Im Weinbau beträgt die Phosphat-Abfuhr bei Normalertrag (14 t/ha) durch die Trauben lediglich 10 kg P2O5 pro Hektar und Jahr, da Reblaub und -holz in der Rebanlage verbleiben. Somit ergibt sich für den Weinbau in diesen Flächen eine Begrenzung auf maximale die Zufuhr von 30 kg P2O5 pro Hektar mit Humusdüngern oder als mineralische Vorratsgabe. ACHTUNG: Die vorgestellte Regelung betrifft zwar nur Schläge ab 1 Hektar, jedoch sollte sie aus fachlicher Sicht auf alle Weinbergsflächen angewendet werden. Vor dem Aufbringen von organischen Düngern als Dreijahresgabe müssen unbedingt die P2O5-Kontrollwerte des Nährstoffvergleiches berücksichtigt werden!


Mit der folgenden Excel-Anwendung können Sie die P-Düngebedarfsermittlung auch am PC durchführen:


P-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.xlsmP-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.xlsm
(Für Excel-Version 2013, Tabelle enthält Makros. Bitte ggf. Makrofunktion aktivieren)

P-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.xlsP-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.xls

(Für Excel-Version 2003, Tabelle enthält Makros. Bitte ggf. Makrofunktion aktivieren)

P-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.pdfP-Düngebedarf-WB_Org_DüV-2017-RLP_18-05-22.pdf



3. Nährstoffvergleich erstellen & dokumentieren

Ab 2018 sind alle Weinbaubetriebe ab 2 Hektar Betriebsfläche (inklusive Rebbrachen, Rebschulen, nicht in Ertrag stehende Rebanlagen) zur jährlichen Erstellung eines Nährstoffvergleiches gemäß § 8 DüV verpflichtet, wenn diese auf einem Schlag (Einzelparzelle oder Bewirtschaftungseinheit) mehr als 50 kg Stickstoff pro Hektar und Jahr und/oder mehr als 30 kg Phosphat pro Hektar und Jahr aufbringen.

Unabhängig von der Betriebsgröße muss bilanziert werden, sobald ein Betrieb von außerhalb Wirtschaftsdünger oder organische bzw. organisch-mineralische Düngemittel aufnimmt, bei denen es sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt!

Der Nährstoffvergleich im Weinbau ist eine auf die gesamte Betriebsfläche bezogene Nährstoffbilanzierung hinsichtlich Stickstoff und Phosphat. Dabei werden die Nährstoffmengen, die im Laufe eines Jahres durch Kauf oder anderweitige Übernahme von düngewirksamen Stoffen in den Betrieb einfließen (Nährstoffzufuhr) den Nährstoffmengen gegenübergestellt, die den Betrieb in Form abgegebener Ernteprodukte verlassen (Nährstoffabfuhr). Nährstoffmengen, die in Ernteresten (z. B. Trester, Entschleimungs- und Hefetrub) aus eigener Produktion enthalten sind und im eigenen Betrieb auch wieder ausgebracht werden, sind hingegen nicht zu bilanzieren. Sie stellen weder eine Zufuhr noch eine Abfuhr dar.

Im folgenden Merkblatt finden Sie alle Informationen zur Durchführung des Nährstoffvergleiches. Zudem enthalten die letzten beiden Seiten im Merkblatt ein Formblatt zum händischen Ausfüllen des Nährstoffvergleiches:


Mit der folgenden Excel-Anwendung können Sie den Nährstoffvergleich auch am PC durchführen:

Gemäß § 9 (2) und (3) DüV erfolgt die Bewertung des betrieblichen Nährstoffvergleiches hinsichtlich Stickstoff und Phosphat über mehrjährige Durchschnittswerte (N = Dreijahresmittel, P2O5 = Sechsjahresmittel), die den Kontrollwerten gegenübergestellt werden.

Der Durchschnittswert für Stickstoff errechnet sich aus den betrieblichen N-Salden der letzten drei Jahre. Dieser Wert wird mit dem N-Kontrollwert verglichen. In der alten DüV betrug der
N-Kontrollwert 60 kg/ha. Mit der neuen DüV 2017 wurde der N-Kontrollwert auf 50 kg/ha abgesenkt. Infolgedessen ergeben sich für die Übergangsphase bestimmte Mittelwerte:

  • Für Betriebe, die bereits seit 2016 den NSV anfertigen mussten, darf der errechnete
    N-Durchschnittswert aus
    2016, 2017 und 2018 nicht größer sein als 56,6 kg N/ha.

  • Für Betriebe, die bereits seit 2017 den NSV anfertigen mussten, darf der errechnete
    N-Durchschnittswert aus 2017, 2018 und 2019
    nicht größer sein als 53,3 kg N/ha.

  • Betriebe, die erstmals für 2018 den NSV anfertigen müssen, darf der errechnete
    N-Durchschnittswert aus 2018, 2019 und 2020
    nicht größer sein als 50 kg N/ha.


Der Durchschnittswert für Phosphat errechnet sich aus den betrieblichen P2O5-Salden der letzten sechs Jahre. Dieser Wert wird mit dem P2O5-Kontrollwert verglichen. In der alten DüV betrug der P2O5-Kontrollwert (Sechsjahresmittel) 20 kg/ha. Mit der neuen DüV 2017 wurde der
P
2O5-Kontrollwert auf 10/ha abgesenkt. Infolgedessen ergeben sich für die Übergangsphase bestimmte Mittelwerte:

  • NSV 2018: P2O5-Kontrollwert von 18,3 (2013-2018)

  • NSV 2019: P2O5-Kontrollwert von 16,6 (2014-2019)

  • NSV 2020: P2O5-Kontrollwert von 15,0 (2015-2020)

  • NSV 2021: P2O5-Kontrollwert von 13,3 (2016-2021)

  • NSV 2022: P2O5-Kontrollwert von 11,6 (2017-2022)

  • NSV 2023: P2O5-Kontrollwert von 10,0 (2018-2023)


Der Nährstoffvergleich auf Betriebsebene ist als Flächenbilanz oder als Zusammenfassung der Nährstoffbilanzen aller Schläge auf Grundlage einer Schlagkartei für das abgelaufene Düngejahr bis zum 31. März des Folgejahres zu erstellen (§ 8 (1) DüV). Ferner muss der Betriebsinhaber die Aufzeichnungen zum Nährstoffvergleich sieben Jahre aufbewahren und der nach Landesrecht zuständigen Stelle auf Verlangen vorlegen (§ 10 (3) DüV).


4. Nährstoffgehalte von Düngemitteln dokumentieren

Der Dokumentationspflicht der neuen DüV unterliegen gemäß § 3 (4) auch die Nährstoffgehalte von Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln. Für den Weinbau gilt, dass vor dem Aufbringen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat bekannt sind. Diese Angaben sind Kennzeichnungsinformationen, Lieferscheinen, RAL-Gütezeugnissen (Komposte) oder von der Weinbauberatung vorgegebenen Tabellen (z. B. „Humusdünger und Kellereiabfälle im Weinbau“), Merkblättern und Aufrufen zu entnehmen. Betriebe, die ihre Komposte selbst herstellen und damit die von der staatlichen Beratung vorgegebenen Nährstoffgehalte von „Standardpräparaten“ nicht übertragen können, wird eine Wirtschaftsdüngeranalyse empfohlen.



5. Aufbewahrungspflicht der Dokumentation

Die folgenden Unterlagen sind alle für sieben Jahre nach Ablauf des Düngejahres aufzubewahren und der nach Landesrecht zuständigen Stelle auf Verlangen vorzulegen (§ 10 (3) DüV):

- Bodenuntersuchung (0 bis 30 cm) für Phosphat für Schläge größer 1 Hektar

- Lieferscheine, Deklaration , Wirtschaftsdüngeranalyseergebnis oder Merkblatt mit Richtwerten zum Gehalt an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammonium-Stickstoff und Phosphatgehalt

- Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat

- Angewandte Verfahren der Düngebedarfsermittlung für Stickstoff und Phosphat

- Nährstoffbilanzierung (Nährstoffvergleich)


6. Beschränkungen in der Aufbringung und Anwendung

Bodenzustand: Das Aufbringen von N- oder P-haltigen Düngemitteln, Bodenhilfsstoffen, Kultursubstraten und Pflanzenhilfsmitteln - unabhängig von der jeweiligen Konzentration an Nährstoffen (= auch Kompost unter 1,5 % N in TM) - ist auf überschwemmten, wassergesättigten, gefrorenen oder schneebedeckten Böden verboten (§ 5 (1) DüV). Eine Ausnahme auf gefrorenem Boden gibt es nur, wenn der Boden am Tag des Aufbringens auftaut, ein Abschwemmen nicht zu befürchten ist, der Boden begrünt ist und anderenfalls die Gefahr von Bodenverdichtungen bestehen würde. P-arme Kalkdünger mit weniger als 2 % Phosphat dürfen auf gefrorenem Boden ausgebracht werden, wenn kein Abschwemmen in oberirdische Gewässer oder auf benachbarte Flächen zu befürchten ist.

Gewässerabstände: Der für ebene und schwach geneigte Flächen (< 10 % Hangneigung) geltende Abstand zu Oberflächengewässern wurde verändert. Zwischen der Böschungsoberkante der Gewässer und der durch die Streubreite bestimmten Aufbringungsfläche sind nach § 5 (2) DüV ein Abstand von mindestens 4 m einzuhalten. Der erforderliche Abstand reduziert sich auf 1 m, wenn für das Aufbringen Geräte verwendet werden, bei denen die Streubreite der Arbeitsbreite entspricht oder die über eine Grenzstreueinrichtung verfügen. Bei Hanglagen, die innerhalb eines Abstandes von 20 m zur Böschungsoberkante eines oberirdischen Gewässers eine Neigung von durchschnittlich mindestens 10 % aufweisen, ist nach § 5 (3) DüV ein Abstand von 5 m zur Böschungsoberkante einzuhalten. Eine Verkürzung des Mindestabstandes aufgrund technischer Lösungen (z. B. Grenzstreueinrichtung) ist in diesem Fall nicht möglich.

BITTE BEACHTEN: Zu den Oberflächengewässern zählen sowohl natürlich entstandene Gewässer wie Bäche, Flüsse und Seen, als auch künstlich angelegte Gewässer. Letztere Kategorie wird hinsichtlich ihrer zugehörigen Gewässertypen in den Bundesländern unterschiedlich definiert. Während beispielsweise in Rheinland-Pfalz die Straßenseitengräben sowie Be- und Entwässerungsgräben zu den künstlich angelegten Gewässern zählen, werden diese in Hessen nicht als Oberflächengewässer definiert. Bitte kontaktieren Sie dazu Ihren zuständigen Weinbauberater!


7. Zusätzliche Maßnahmen in § 13 - Gebieten

Mit dem in die DüV neu aufgenommenen § 13 müssen die Landesregierungen in Gebieten mit Nitrat belasteten Grundwasserkörpern und durch Phosphat aus landwirtschaftlichen Quellen eutrophierten Oberflächengewässern einige der bereits vorgestellten Auflagen noch verschärfen. Dazu muss jedes Bundesland mindestens drei zusätzliche Maßnahmen erlassen. Da sich die Auswahl der zusätzlichen Vorgaben meist an der flächendeckend größten landwirtschaftlichen Sparte des jeweiligen Bundeslandes orientiert, sind zumindest für den Weinbau keine bundeseinheitlichen § 13-Regelungen in Gebieten mit Nitrat belasteten Grundwasserkörpern zu erwarten. In RLP sind die Maßnahmen noch in der Abstimmung.


Tresterausbringung und Tresterlagerung in RLP


Zuständige DüV-Spezialberater für WEINBAU in RLP:

DLR Rheinpfalz: Dr. Claudia Huth, Tel. 06321-671 228, claudia.huth@dlr.rlp.de

DLR Rheinpfalz: Robin Husslein, Tel. 06321-671 236, robin.husslein@dlr.rlp.de

DLR Rheinpfalz: Christine Kleber, Tel. 06321-671 241, christine.kleber@dlr.rlp.de

DLR R-N-H (OP): Dr. Bernd Prior, Tel. 06133-930 184, bernd.prior@dlr.rlp.de

DLR R-N-H (KH): Dr. Edgar Müller, Tel. 0671-820 317, edgar.mueller@dlr.rlp.de

DLR Mosel: Stefan Hermen, Tel. 06531-956 410, stefan.hermen@dlr.rlp.de

DLR Mosel: Matthias Porten, Tel. 06531-956 406, matthias.porten@dlr.rlp.de



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